Ich kann den Herbst kaum erwarten.
Ich gehöre zu den Menschen, die im August regelmäßig die Wetter-App öffnen und nach den ersten Nächten unter 20 Grad suchen. A-U-F-A-T-M-E-N.
Jedes Jahr freue ich mich auf den Moment, an dem die erste frische Luft durchs Fenster kommt und ich nachts wieder vernünftig schlafen kann. Wenn andere den Sommer am liebsten festhalten würden, beginne ich irgendwann die Tage zu zählen, bis der Herbst da ist.
Das hat sicher etwas damit zu tun, dass ich Hitze immer weniger vertrage, je älter ich werde. Heute weiß ich aber auch, dass es energetisch ziemlich gut zu mir passt. Das Element Feuer (das den Sommer und die Hitze repräsentiert) fordert mich mehr als jedes andere. Es sorgt zuverlässig dafür, dass genau dann etwas passiert, wenn ich eigentlich einfach nur meine Ruhe haben möchte. Es piekst Themen an, auf die ich gut und gerne verzichten möchte. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass mir das Feuer mein Leben auch ohne dreißig Grad im Schatten schon heiß genug macht.
Deshalb musste ich schmunzeln 😉, als ich mir die Energie des Augusts angesehen habe.
Eigentlich beginnt jetzt eine Jahreszeit, die ich liebe. Der Herbst hat für mich etwas unglaublich Wohltuendes. Nach all der Dynamik des Sommers (Yang) verändert sich die Richtung. Es geht nicht mehr darum, immer weiter zu wachsen, noch mehr zu schaffen oder die nächste Idee umzusetzen. Jetzt beginnt die Zeit, in der wir einsammeln dürfen, was in den vergangenen Monaten entstanden ist. Wir sortieren aus. Wir schließen Dinge ab. Wir entscheiden, was wir mitnehmen und was wir hinter uns lassen (Yin).
Nur scheint der August, mit dem der astrologische Herbst beginnt, in diesem Jahr davon herzlich wenig zu halten.
Das Jahr 2026 steht ohnehin unter einer sehr starken Feuerenergie. Viel Dynamik, viel Tempo und jede Menge Unberechenbarkeit. Leerlauf ist in diesem Jahr eher Mangelware. Und ausgerechnet jetzt, wo der natürliche Jahresrhythmus eigentlich sagt: „Jetzt wird geerntet“, legt der August noch einmal eine ordentliche Schippe Feuer obendrauf. Denn am 7. August beginnt der Monat des Yang Feuer-Affen.
Auf den ersten Blick könnte man denken: Wunderbar, dann haben wir mit dem Jahres-Feuer und dem Monats-Feuer eben noch mehr Energie.
So einfach ist es aber nicht.
Zwei starke Feuerkräfte bedeuten nicht automatisch doppelte Kraft. Wenn zwei gleich starke Energien aufeinandertreffen, entsteht Reibung oder Wetteifern. Da wird nicht einfach mehr geleistet, sondern mehr Energie verbraucht. Sie können sich genauso gut gegenseitig antreiben. Oder sich messen. Oder dafür sorgen, dass niemand bereit ist, auch nur einen Schritt vom Gaspedal herunterzugehen.
Ich bin ziemlich sicher, dass wir das in den nächsten Wochen überall beobachten können. Diskussionen werden schneller hitzig. Jeder scheint gute Argumente zu haben und möchte sie auch unbedingt loswerden. Im Beruf entsteht leicht das Gefühl, dass alles gleichzeitig wichtig ist. Im Privaten ertappen wir uns dabei, noch eine Aufgabe anzunehmen, obwohl wir eigentlich längst wissen, dass wir genug auf dem Tisch haben.
Das Verrückte daran ist: Der natürliche Rhythmus des Augusts fordert uns genau in die entgegengesetzte Richtung.
Eigentlich wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, einmal stehen zu bleiben und sich umzuschauen. Was hat sich in diesem Jahr bereits entwickelt? Welche Projekte dürfen jetzt zu einem Ende kommen? Welche Verpflichtungen kosten mehr Kraft, als sie noch wert sind? Und welche Ideen müssen nicht sofort umgesetzt werden, sondern dürfen einfach noch ein wenig reifen oder sogar ganz wegfallen?
Die eigentliche Aufgabe im August liegt darin, nicht ungebremst weiter zu machen wie im Sommer, sondern das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden und nicht mehr jedem Impuls zu folgen.
Wenn ich mir die Elementkonstellation des Monats anschaue, fällt mir noch etwas auf. Es fehlt das Holz. Das Element, das für den Aufbruch, für Wachstum und neue Anfänge steht, spielt in dieser Konstellation praktisch keine Rolle. Stattdessen fließt alles über Feuer, Erde und Metall schließlich ins Wasser. Energetisch bedeutet das für mich: Dieser Monat möchte nicht schon wieder Neues hervorbringen. Er möchte verstehen. Er möchte ordnen. Er möchte erkennen, was bleiben darf und was gehen kann.
Das passt erstaunlich gut zu dem Hexagramm, das uns durch den August begleitet: Befreiung.
Befreiung bedeutet nicht, dass plötzlich alle Probleme verschwinden. Für mich beschreibt dieses Bild eher den Moment nach einem kräftigen Sommergewitter. Die Luft wird klar. Die Spannung ist raus. Man kann wieder durchatmen.
Wie vor einem schweren Sommergewitter liegt in diesen Wochen eine eigentümliche Spannung in der Luft. Man ahnt, dass sich etwas entladen möchte. Themen, die lange unter der Oberfläche geschwelt haben, melden sich noch einmal, weil sie endlich geklärt werden wollen. Manches Gespräch lässt sich partout nicht länger aufschieben. Manche Entscheidung auch nicht. Aber wenn sie getroffen ist, kehrt Ruhe ein. Mit der Ruhe kehrt oft auch die Kraft zurück, die nächsten Schritte zu gehen.
Das ist die schönste Botschaft dieses Monats: Befreiung, aus der neue, frische Kraft entsteht.
Und wenn irgendwas nach Vollgas ruft, müssen wir es ja nicht mit Vollgas beantworten, oder? Denn oft ist es eine kluge Entscheidung, den Fuß bewusst vom Gaspedal zu nehmen.
Der Herbst kommt ohnehin. Und er bringt sicher genau das mit, worauf ich mich jedes Jahr freue: etwas mehr erfrischende Klarheit und das gute Gefühl, dass nicht alles gleichzeitig passieren muss.
Genieß den August. Aber vergiss zwischendurch das Bremsen nicht. 😉 🔥🐒
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