Ich habe mich langsam selbst verausgabt.
In einer Phase, in der ich sehr viel Energie gegeben habe. Für eine Sache, für ein Umfeld.
Irgendwann merkte ich, dass ich schon lange nicht mehr aus mir selbst heraus handelte. Dass ich funktionierte. Dass ich mich anpasste, erklärte und dabei irgendwann den Faden zu mir selbst verloren hatte.

Und, nein, niemand hatte mich gezwungen oder zu viel von mir gefordert. Genau genommen wollte ich es so, weil ich glaubte, dass es sich lohnte, weil ich dachte, ich würde etwas bewirken. Genau genommen hatte ich lediglich aufgehört zu prüfen, ob das, was ich gab, wirklich meines war. Oder ich mich längst für ein fremdes Feuer verbrannt hatte.

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Das ist ein feiner Unterschied. Aber er ist entscheidend.
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Wer für etwas brennt, das wirklich zu ihm gehört, wird durch das Geben nicht leerer, der wird durch das Geben mehr. Wer aber für etwas brennt, das ihm eigentlich fremd ist, der verbrennt sich. Manchmal jahrelang und still, bevor er es merkt.
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Das alles passierte langsam und in kleinen Etappen. So, wie ein Brunnen, dessen Wasser immer mehr versickert – fast unbemerkt – bis du eines Tages kein Wasser mehr schöpfen kannst. 
Ich weiß das nicht aus einem Buch.
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Der Juli trägt genau diese Energie.
In der chinesischen Astrologie beginnt am 7. Juli der Monat des Holzschafs – ein Monat, in dem das Feuer des Jahres sich nochmals verdichtet. Das Schaf und das Pferd verbinden sich, und gemeinsam verstärken sie die ohnehin schon intensive Feuerenergie dieses Feuerpferd-Jahres. Mitten in diesem Feuer steht das Yin Holz: zart, biegsam, anpassungsfähig. Und Holz nährt Feuer. Das ist sein Naturgesetz.
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Das heißt nicht, dass dieser Monat zwingend schwer werden muss. Aber es heißt: Es lohnt sich, sehr genau hinzuschauen, wem oder was du deine Energie gerade schenkst und ob das Feuer, für das du brennst, wirklich deines ist.
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Das ist die Frage nach dem richtigen Maß, die mich diesem Jahr des Feuerpferdes intensiv begleitet. Was ist das richtige Maß? Nicht nur: Tue ich zu viel? Sondern: Tue ich das Richtige – für mich?
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Das Hexagramm, das diesen Monat begleitet, ist Der Brunnen, auch Die Quelle genannt.
Im I Ging, dem uralten chinesischen Buch der Wandlungen, heißt es:
Man mag die Stadt wechseln, aber man kann nicht den Brunnen wechseln.
Er nimmt nicht ab und nimmt nicht zu.
Der Brunnen steht für das, was in uns immer da ist. Die eigene Lebensessenz. Die Urquelle, aus der wir schöpfen, wenn wir wirklich bei uns sind.
Diese Quelle versiegt nicht.
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Aber das Hexagramm kennt auch ein zweites Bild: den Eimer mit einem Loch. Er wird hinabgelassen, erreicht das Wasser, und manchmal kommt leer wieder hoch. Nicht weil die Quelle fehlt. Sondern weil etwas im Gefäß nicht stimmt.
Dieser Eimer mit dem Loch, das sind die Überzeugungen, die uns sagen: Da unten ist sowieso nichts mehr. Dass wir nicht genug haben, nicht gut genug sind. Dass wir uns erst beweisen müssen, bevor wir wirklich schöpfen dürfen.
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Ich habe das selbst erlebt. Wie ein Umfeld, eine Situation, eine Dynamik dir täglich ein kleines Loch in den Eimer bohrt. Bis du anfängst zu glauben, dass da unten sowieso nichts mehr ist. (Blogbeitrag: Wenn dein Bestes nie gut genug ist)
Dabei war die Quelle die ganze Zeit da.
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Dieser Monat fragt nicht danach, wie viel du gibst.
Er fragt, woraus du schöpfst.
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Und wenn du gerade das Gefühl hast, dass du gibst und gibst, aber innerlich immer leerer wirst, dann ist das kein Zeichen dafür, dass du nicht genug bist. Es ist ein Zeichen, dass dein Eimer ein Loch hat. Oder dass du aus dem falschen Brunnen schöpfst.
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Die junge Pflanze auf trockenem Boden – das Bild, das mich in diesen Wochen nicht loslässt – wächst nicht, weil die Bedingungen gut sind. Sie wächst, weil ihre Wurzeln tief genug gehen, um dort Feuchtigkeit zu finden, wo niemand sie vermutet.
Das ist auch das, was dieser Monat von uns will: Nicht lauter werden, nicht mehr geben, nicht noch mehr beweisen. Sondern tiefer gehen. Zur eigenen Quelle.
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Vielleicht erntest du diesen Monat nicht das, was du dir vorgenommen hattest. Vielleicht ist die Ernte kleiner, stiller, unerwarteter als gedacht. Aber es ist deine Ernte. Aus deiner Erde. Mit deinen Wurzeln.
Das zählt mehr als jede Frucht, für die du dich verbrannt hast.
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🎧 In meiner Juli-Audiofolge spreche ich ausführlich darüber, wie sich diese Energie auf uns und das gesellschaftliche Bild auswirkt.
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Drei Fragen, die ich dir mitgebe:
  1. Brennst du gerade für etwas, das wirklich deines ist – oder für ein fremdes Feuer?
  2. Wo hat dir ein Umfeld, eine Situation, eine Überzeugung ein Loch in den Eimer gebohrt? Und hältst du das immer noch für die Wahrheit über dich?
  3. Was will diesen Monat wirklich geerntet werden, wenn du die Erwartungen anderer mal beiseite lässt?
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Ich freue mich, wenn du mir schreibst. Wirklich.
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Herzlich, Annette

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